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DAB+ - Neue Dienste für den Hörfunk (2/3)

Mobilitäts- und Notfalldienste - zum Beispiel TPEG und EWF

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Seit der erstmaligen Ausstrahlung von Verkehrslage-Informationen durch den WDR 1951 und mit der wachsenden Mobilität sind die Verkehrsinformationen immer wichtiger geworden. In den letzten 50 Jahren wurde der Zeitraum vom Bekanntwerden eines Ereignisses bis zur Meldung im Radio erheblich verkürzt. Jedoch sind die analogen Möglichkeiten ausgereizt. Die digitale Alternative ist TPEG. Die ARD-Antalten starteten ihren TPEG-Dienst schon am 1. Juni 2005.

TPEG - die dritte Generation des Verkehrsfunks

Nach der klassischen gesprochenen Verkehrsinfo und dem Traffic Message Channel (TMC) des Radio Data Systems (RDS) kann das Verfahren der Transport Protocol Experts Group (TPEG) als dritte Generation des Verkehrsfunks angesehen werden. TPEG steigert die Möglichkeiten zur Informationsverbreitung erheblich.

Mit TMC können maximal 300 Meldungen transportiert werden. Bei TPEG sind es - Dank einer Datenrate von 16 Kilobit pro Sekunde (Stand: Sommer 2012 im nationalen DAB+-Multiplex) etwa 6.000 Meldungen. Zudem wird der Übertragungszyklus beschleunigt, so dass die Infos wesentlich schneller als bei RDS-TMC aktualisiert werden können. Thomas Wächter, beim Netzbetreiber des nationalen Multiplexes Media Broadcast für DAB+ zuständig, zu den praktischen Vorteilen für Autofahrer: „Hinzu kommen Informationen wie z. B. Daten zur Parkhausbelegung oder zum aktuellen Verkehrsfluss. Der Vorteil für die Autofahrer: Die Berechnung der Ankunftszeit durch das Navigationsgerät wird damit wesentlich genauer. Bisher galt: Die Ankunftszeit ist recht ungenau, wenn eine dicht befahrene Autobahn lediglich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h ermöglicht, statt der 120 km/h, die ein herkömmliches Navi ohne TPEG-Anbindung bei der Berechnung zugrunde legt. Dies wird dank der TPEG-Übertragung im Digitalradio künftig wesentlich verbessert.“

Für TPEG werden u.a. folgende Dienstemerkmale beschrieben:
RTMRoad Traffic Messages TECTraffic Event Compact
PTIPublic Transport Information PKIParking Messages
SPISpeed Limit Messages BSIBus Service Messages
TFPTraffic Flow Prediction WEAWeather
POIPoints of Interest FPIFuel Price Information
Nicht nur aufgrund dieser Vielzahl möglicher Funktionen, sondern auch wegen der breiten Einsatzmöglichkeiten (s.u.) könnte TPEG zum internationalen Standard werden. Und nicht zuletzt: Auch die Kopplung mit GPS und Navigationsgeräten ist nützlich und prinzipiell möglich.

In Deutschland haben mehrere Autohersteller, Zulieferer und Navigations-Anbieter in der Variante TPEG Automotive ihre
Beispiel für einen Verkehrsdienst. Grafik: www.digitalradio.de
Interessen zusammengefasst.

TPEG sei in Verbindung mit dem europäischen DAB+-Standard für
Studie: Stauinfo mit Kartengrafik (anclicken zum Vergrößern).
Quelle: www.digitalradio.de.
Digitalradio zudem geeignet, die europaweite Harmonisierung der Verkehrsdienste zu leisten.

Universelle Technik zwischen Broadcast und Mobilfunk

TPEG kann über alle digitalen Transportwege eingesetzt werden. Das sind nicht nur die Sendewege des Radios wie DAB oder DRM, sondern zum Beispiel auch die Datenstrecken des Mobilfunks wie LTE, GPRS, UMTS und Funktechniken wie Wimax und WiFi - jeweils mit den entsprechenden internetbasierten Transferprotokollen.

Ist der geringe Bedarf an Bandbreite (bei Mediamobile nur 16 kbps) vom Radio abgeknapst, kann dieser mit einer Datenschleife dauerhaft genutzt werden. Dabei sollen bei Bedarf Aktualisierungen erfolgen. Bei der webbasierten Anbindung wäre der individuelle Abruf geeigneter. Es scheint also, dass bestimmte Dienste auf der Rundfunk-, andere auf der Mobilfunkstrecke besser platziert sind.

Das Mobilfunk- bzw. internetbasierte Szenario beinhaltet einige Probleme: Je mehr Teilnehmer die Dienste über Mobilfunk bzw. Funk-Internet nutzen, desto teurer wird's für die Diensteanbieter. Es ist also absehbar, dass ab einer bestimmten Nutzerzahl die Bereitstellung über die Rundfunkstrecke billiger ist. Oder umgekehrt gedacht: Dienste über den Mobilfunk müssen kostenpflichtig vermarktet werden, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Ein weiterer Unterschied: Starker Andrang innerhalb einer Mobilfunkzelle kann zur Reduzierung der Datenraten
PKI - Beispiel. Grafik: BMT/ADAC
Beispiel eines Park-Infosystems (anclicken zum Vergrößern).
Grafik: BMT/ADAC.
Grafik: TISA
TPEG ist weltweit im Einsatz.
(Link auf interaktive Karte).
Quelle: TISA.
beim einzelnen Nutzer und insgesamt zu Kapazitätsengpässen (siehe Liga Total) bis hin zum Zusammenbruch des Netzes führen. Hingegen ist es beim Rundfunknetz („Broadcast“) egal, wieviele Teilnehmer sich zeitgleich einem Programm oder Dienst zuschalten.

Die Kopplung solcher Zusatzinformationen mit anderen Übertragungsplattformen scheint also nicht nur sinnvoll, um das Radiosignal vom Bandbreitenbedarf für die Dienste zu entlasten. Es scheint zum Beispiel wenig praktisch, lokale Informationen wie Parkinfos allgemein verfügbar über die in der Regel überregional angelegten Rundfunknetze anbzubieten. In einem solchen Fall ist mit - etwa im Vergleich zur Verkehrslage auf einer Autobahn - weniger zeitgleichen Abrufen zu rechnen. Solche Inhalte wären als (kostenpflichtige) Premium-Abrufdienste via Mobilfunk vorstellbar. Umgekehrt wären Inhalte, die dauerhaft verfügbar sein sollen, á la Videotext als Datenschleife ins Radiosignal zu integrieren.

Während Mediamobile die Kosten seiner Dienstleistung über den Gerätepreis hereinholen will, kommen bei internetbasierten Angeboten andere Refinanzierungsmodelle ins Spiel: Erwirbt man den Zugang zu einem Dienst, z.B. mit einer Datenfunk-Chipkarte, muss entweder der Mobilfunkempfang (samt Chipkartenleser) im Autoradio integriert sein oder die Verbindung zwischen Autoradio und Handy (z.B. über Bluetooth) gesichert sein, um die Visualisierung der gesendeten Infos zu gewährleisten. Denkbar wäre es, dass sowohl die Mobilfunkbetreiber als auch die Autohersteller (die selbst Mobilitätsdienste entwickeln) als Vertragspartner des Autofahrers auftreten.

TPEG-Dienste für radiolose Navis per DAB+

Außer dem WDR (betreibt das Verkehrsradio VERA) bieten alle ARD-Anstalten TPEG-Dienste in den landesweiten Multiplexen an. Deutschlandradio tut dies im bundesweiten Mux. In dieser - noch als Versuch betrachteten Phase - werden die auf den üblichen Wegen für RDS heran geschafften Verkehrsinfos in das TPEG-System eingespeist. Noch 2015 sind jedoch keine Geräte bekannt, die das unterstützen. Dies betrifft auch den Noxon DAB Stick, dessen Software vom Fraunhofer IIS entwickelt wird. Nach dortigen Angaben umfasst das Leistungsspektrum im Mai 2013 die Merkmale TEC, TFP, FPI und PKI; ein Update ist jedoch Mitte 2015 nicht verfügbar.

Mediamobile, ein Schwesterunternehmen des Sendenetzbetreibers Media Broadcast, startete im Mai 2013 seinen Premiumdienst V-Traffic in Deutschland, dessen Daten im nationalen Multiplex (Kanal 5C) verbreitet werden. Zunächst werden nach TPEG-Standard Verkehrswarnungen (TEC) und Verkehrsfluß-Informationen (TFP) angebunden. Der Dienst ist kostenpflichtig; die Kosten werden einmalig über den Gerätepreis erhoben, so dass ein Vertragsabschluß nicht notwendig ist und keine regelmässige Nutzungsgebühren anfallen. Nachdem sich Mediamobile im Juni 2013 über die Zulieferung von Karten mit dem Anbieter TomTom vereinbart hat, rückt eine Implementierung des Dienstes in dessen Geräte näher, so das Unternehmen.

Im Oktober 2015 stellte der Autozulieferer Visteon ein Konzept für Autoradios vor, das den Verkehrsdienst V-Traffic von Mediamobile integriert. Es gebe die Möglichkeit, beim Empfang der Verkehrsdaten zwischen DAB+ und Internet - auf das jeweils bessere Signal - umzuschalten. Die Karten werden allerdings auf einem externen Display - z.B. eines Smartphones (siehe Studien-Foto von Visteon) oder Tablets - via Bluetooth visualisiert. Das könnte unter Umständen zur Ablenkung des Fahrers vom Verkehrsgeschehen führen.

Display-Beispiel garmin Der Navi-Hersteller Garmin kündigt seinen Verkehrsinfodienst 3D Traffic Live an. Dieser basiert auf der Lösung HERE Traffic *) von Nokia. Geräte der ab Januar 2014 ausgelieferten nüvi x8LMT-D-Serie sind entsprechend ausgestattet. Besitzer der Navis der nüvi-Serie 2xx7LMT und des nüvi3597LMT können ihre Geräte durch kostenpflichtigen Austausch des Ladekabels und kostenlosen Software-Upgrade auf den neuen Dienst einrichten. Die genannten Geräte empfangen nur den Datendienst (Beispiel-Screen: Zum Vergrößern clicken), nicht jedoch Radiosendungen!

*) Nokias Datendienst HERE wurde Ende 2015 von den Kfz-Bauern BMW, Audi und Mercedes übernommen; die drei Partner halten gleiche Anteile an der gemeinsamen Betreiberfirma.

Auch der Navigations-Anbieter TomTom kündigte eigene Geräte für TPEG und den eigenen Dienst HD Traffic an, die über Ausstattungen der Automobilhersteller und Media Mobile in Deutschland vermarktet werden.

Katastrophen-Warnungen über DAB+ mit EWF

Das DAB-Feature „Emergency Warning Messages“ ermöglicht prinzipiell die Aussendung von Warn-Infos, z.B. des Katastrophenschutzes. 2013 wurde in Bayern erstmals eine „Emergency Warning Function“ (EWF) vorgestellt. Der Dienst soll den Einsatzleitungen des Katastrophenschutzes helfen, die Bevölkerung umfassend zu informieren - sogar, wenn wichtige Kommunikationsnetze wie der Mobilfunk ausfallen. In Südkorea gibt es einen solchen Dienst seit 2007.

Im Fall des Falles werden alle geeigneten Geräte im Empfangsbereich automatisch auf einen speziellen Notfallkanal geschaltet. Geräte werden sogar aus dem Standby-Modus „geweckt“. Die Informationen kommen sowohl als Audio-Durchsage als auch mittels Journaline als Textinformation - und in mehreren Sprachen - aufs Gerät. Den Einsatzleitungen steht zudem die Option zur Verfügung, Meldungen gezielt in die Versorgungsbereiche einzelner Sendestandorte zu versenden. Ein erster Test wurde im November 2014 zusammen mit der Leitstelle Bayreuth/Kulmbach durchgeführt (siehe Video). EWF ist ein Projekt von des Fraunhofer IIS, von Bayern Digitalradio, der Firma TMT und dem Hersteller Noxon.

Ein ähnliches Konzept verfolgt der „Infokanal Bayern“, der in der zweiten Jahreshälfte 2016 ausführlich getestet wurde. Dafür stellte Bayern Digital Radio in seinem landesweiten Multiplex (Kanal 10D) einen Programmplatz zur Verfügung. Dort gibt es gesprochene „allgemeine Informationen zum Wetter“. Diese Infos können jederzeit um „Features zu außergewöhnlichen Wettererscheinungen“ und „bei akuter Gefahr auch Informationen und detaillierten Prognosen zu Wetterereignissen“ erweitert werden. Genauso können Leitstellen Meldungen zu „Ereignissen mit möglichem Katastrophenpotential (z.B. Terrorwarnung)“ auslösen. Beim Infokanal arbeiteten zwischen Herbst 2016 und April 2017 BDR mit den Firmen TMT, Zenon Media, AVT Audio Video Technologies und Kachelmann und Behörden zusammen.

Die Stärke beider Konzepte ist die das Broadcast-Netz von DAB+. Nachrichten finden immer den Weg zu den Adressaten - egal wieviel Menschen erreicht werden. Engpässe, weil z.B. andere Kommunikationen die LTE-Mobilfunknetze blockieren, gibt es nicht.

Ziel beider Projekte ist nicht nur, die technischen Möglichkeiten zu erproben. Es geht auch um politische Unterstützung, um die Leitstellen Bayerns entsprechend auszustatten und die Übertragung zu finanzieren. Nicht zuletzt müsste auch dafür gesorgt werden, dass die Funktion in allen DAB+-Radios implementiert wird.

Links zum Thema:
ARD geht mit TPEG in den Regelbetrieb (9/2017).
EWF-Projekt in Bayern „erfolgreich“ beendet (4/2017).
Notfallkanal in Bayern im Testbetrieb (9/2016).
Neues Projekt mit Notfall-Infos in Bayern (8/2016).
DAB+ mit EWF im Notfalleinsatz (6/2016).
Autoradio-Lösung mit Verkehrsinfos (9/2015).
Audi, BMW und Mercedes übernehmen Nokias Verkehrsdatendienst Here (8/2015).
Garmin liefert Geräte für Verkehrsdienst aus (3/2014).
Gefahr für Hörfunk durch Navi-Firmen? (11/2013).
EWS-Dienste mit DAB+ (10/2013).
garmin kündigt Verkehrsinfos via DAB+ an (7/2013).
Mediamobile bekommt Karten von TomTom (6/2013).
Mediamobile startet TPEG-Dienste (2) (5/2013).
Mediamoblie startet TPEG-Dienste (1) (5/2013).
Interview mit Thomas Wächter bei infosat.de (9/2012).
TPEG startet im Bundesmux (8/2012).
BMT-Vortrag zu TPEG (9/2010).
BMT-Vortrag zu Internet vs. Broadcast (10/2009).
ARD-Kurzinfo zum TPEG-Start.

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