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DAB+: Überregional in Nordrhein-Westfalen (1/3)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Nordrhein-Westfalen Im vierten Quartal 2021 soll das landesweite DAB+-Ensemble für NRW auf Sendung gehen - erste Privatradios kommen nach langem Widerstand der Lokalsender. 16 Programme wurden zugelassen. Interessant sind die Vergabe des Plattformbetriebes und Strategien der Rundfunkpolitik im bevölkerungsreichsten Bundesland.

„Ziel des Verständigungsverfahrens ist die einvernehmliche Aufteilung der Übertragungskapazitäten unter den Antragstellenden“, hatte die LfM in der Ausschreibung (und aufgrund des Medienrechts) den Bewerbern aufgegeben. Dass sich die drei Konkurrenten um die Plattform in nur drei Monaten auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und Verträge vereinbaren konnten, überraschte.


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Im Ergebnis konnte die Medienanstalt LfM die Plattform an die audio.digital.NRW GmbH vergeben, ein Tochterunternehmen des bekannten Sendenetzers Media Broadcast. Und: Die Kontrahenten Divicon Media und Uplink Network werden „für die Media Broadcast als Sendernetzbetreiberin der audio.digital NRW den vollständigen Betrieb der Sender übernehmen“. Damit waren offenbar auch die Programmveranstalter einverstanden, die sich beworben hatten. Erfahrungen mit solchen Kooperationen gibt es bereits. Dass Divicon rund die Hälfte der Sendeantennen für den Bundesmux 2 für Media Broadcast gebaut hat, mag die NRW-Entscheidung erleichtert haben.

Klotzen zum Sendestart

Gemeinsames Ziel wird es nun sein, bis zum 4. Quartal im Block 9D ein Sendenetz zu errichten, über das sofort „etwa 87% der Bevölkerung die neuen Programme zuhause empfangen können. Gleichzeitig werden etwa 92% der Fläche und 97% der Autobahnen in NRW für den mobilen Empfang ausgebaut sein“, sichert Media Broadcast zu. Auch diese Ankündigung erinnert an den Bundesmux2, dessen Betrieb im Oktober 2020 mit rund 70 Senderstandorten (davon neun in NRW gelegen) begann. Zugleich wird der vom Bundesmux 2 geprägte Trend fortgeschrieben: Statt eines längerfristigen Auf- und Ausbaus des Sendenetzes wird schon zum Sendebeginn eine großflächige Versorgung gewährleistet. „Innerhalb von zwei Jahren ab Sendebeginn wird das Netz noch weiter ausgebaut werden.“

Die zweite Überraschung ist der Umfang des Programmangebots, dass das Ensemble zumindest theoretisch ab dem Sendestart komplett füllen könnte. Könnte - denn einige der zehn extra zugelassenen Programme standen zum Zeitpunkt der Zulassung Ende Mai 2021 nur auf dem Papier und bedürfen umfangreicher Vorbereitungen. Zugelassen sind laut LfM folgende 16 Programme:
RadioNRW musste die Geheimnistuerei um sein landesweites Programm einschränken. Das Programm heißt Mydio, jedoch wird das Konzept immer noch unter dem Deckel gehalten.
Das Radio des Erzbistums Köln war der DAB+-Pionier unter den NRW-Privatradios. Nach Endes des Pilotprojektes mit dem WDR war die Präsenz im Landesmux gesetzt.
Der Regionalisierungs-Schritt des Berliner Schlagersenders ist konsequent. Die Besetzung regionaler Sendegebiete ersetzt die Präsenz in bundesweiten Ensembles.
Auch die Energy-Gruppe plant ein Landesprogramm. Die Gruppe betreibt neben einem bundesweiten Digitalsender sieben Lokalableger, die meisten in DAB+-Stadtmuxen.
Das christlich orientierte Radio Paradiso sendet bisher digital in Berlin und Hamburg. Für NRW soll eine regionale Programmgesellschaft gegründet werden.
Sportradio Deutschland bereitet für Mitte 2020 den Sendestart im Bundesmux 2 vor und kündigt eine NRW-Regionalisierung an, die in Düsseldorf produziert werden soll.
Hinter der Top Media NRW steht der Augsburger Radiomann Peter Valentino. Das Programm soll Mega Schlager NRW heißen.
The Radio Group (Frankfurt/Main) betreibt zahlreiche Lokalradios in mehreren Bundesländern. Radio Germany One bekam 2019 in Berlin die Zulassung als englischsprachige Welle für Touristen.
Die Radio-Gruppe FFN aus Niedersachsen kann südlich des Stammlandes ihr Radio Bollerwagen aus dem Web in die Luft bringen.
NiedersachsenRock21 kündigt mit Radio 21 NRWs bester Rock'n Pop einen regionalen Ableger des Musikprogramms an.
Der in Potsdam beheimatete Kindersender betreibt bereits einen Stream für NRW und ist in mehreren Bundesländern über DAB+ zu empfangen.
Die Radiogruppe aus Bayern will in NRW mit zwei Formatradios um Hörer werben. Im Vorfeld der Zulassung wurden die Marken Charthitradio.nrw und Kulthitradio.nrw registriert.
Weitere Bewerber, die über Zulassungen verfügen:
Obwohl mit den beiden Hauptprogrammen im zweiten Bundesmux vertreten, betreibt auch Antenne Bayern die Ausdehnung in andere Bundesländer und kündigt Antenne NRW an.
Am Stammsitz in Berlin befand auch diese Geschäftsleitung das Bundesland NRW als attraktiv für einen Regionalsender auf DAB+.
Ohne Details wird Teutocast genannt, das im NRW-Mux schon mit Sportradio NRW und im Bundesmus 2 mit dessen nationaler Variante und zwei weiteren Kanälen vertreten ist.

Bemerkenswert ist an dieser Belegung, dass nur zwei Veranstalter mit NRW-Wurzeln dabei sind - das ohnehin gesetzte Domradio und RadioNRW. Im eigenen „Heimatland“ überraschend nicht dabei ist der LGBT-Sender Lulu FM. Auch Mehr!Radio, ausgestattet mit einer landesweiten Zulassung für DAB+ fehlt. Dieses Unternehmen peilt eine regionale Plattform für Düsseldorf an, die möglicherweise mit der von der LfM als nächsten Schritt angekündigten regionalisierten landesweiten Abdeckung kommen könnte.

Die Bewerbungen bzw. Zulassungen schreiben einen Trend fort: Einige größere Veranstalter, die möglicherweise nationale Verbreitungspläne nicht realisieren konnten, erweitern ihre Einzugsbereiche in andere Bundesländer. Der Aufbau weiterer Regionalitäten scheint keine Probleme zu bereiten. Denn der Hörfunk hat ohnehin ein wesentlich regional geprägtes Geschäftsmodell.

Überregionale Veranstalter im Wettbewerb mit NRW-Lokalradios

Den 44 NRW-Lokalradios beschert dieser Trend eine Fülle neuer Wettbewerber mit Potenzial für Investitionen - auch in regionale und lokale Inhalte. Einzig RadioNRW, das Gemeinschaftsunternehmen der NRW-Zeitungsverlage, kann da mithalten und tritt die Flucht nach vorne an. Ob der Zulieferer von Werbung und Rahmenprogramm an die NRW-Lokalradios genau diesen damit Hörer nimmt, bleibt abzuwarten. Denn: Mehr Programme heißt ja nicht, dass länger Radio gehört wird. Zu erwarten ist eine Neuverteilung der Hördauer unter mehr oder andere Sender.

Die Lokalradios scheinen indessen zu glauben, ihre Geschäftsmodelle durch vehementes Ignorieren von DAB+ und Verharren auf UKW solange zukunftssicher halten zu können, bis eine künftige Verbreitungstechnik ihr Geschäftsmodell auf 100 Prozent trifft.

Wie sagte doch gleich Herr Gorbatschow?

Als nächsten Schritt kündigte die Medienanstalt LfM eine zweite landesweite Bedeckung an. Diese soll für fünf oder sechs Gebiete regionalisiert sein. Ausschreibungen sollen erfolgen, sobald die Bundesnetzagentur die benötigten Frequenzen zugeordnet hat.

Things to come ...

Weitere Informationen:
Hier werden allgemeine Meldungen gelistet. Links zu Infos über Ausschreibungen, Aufschaltungen usw. finden sich auf den Senderseiten für NRW.
Die LfM bringt NRW-Landesmux auf den Weg (2) (7.5.2021).
Die LfM bringt NRW-Landesmux auf den Weg (1) (7.5.2021).

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