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DVB-T2: Das Migrations-Szenario (1/2)

Für den Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 ist mit dem ab dem 31. Mai 2016 laufenden Pilot-Kanal und dem Ende des Umstiegs von DVB-T auf DVB-T2 HD Mitte 2019 ein recht enger Zeitrahmen vorgegeben. Zudem steht ein großer Teil der bisherigen Senderessourcen nicht zur Verfügung.

Ausgangspunkt der Frequenzplanung für DVB-T2 HD und der Einführungsstrategie ist die „Digitale Dividende 2“: Dem von der Bundesregierung geforderten Breitband-Ausbau der Mobilfunknetze muß das Fernsehen bis 2019 die Kanäle 49 bis 60 opfern. Der Rundfunk hatte schon zuvor im Zuge der „Digitalen Dividende 1“ die Kanäle 61 bis 69 an die Telekoms abgeben müssen.

Für den Fernseh-Regelbetrieb mit DVB-T2 HD bleibt also nur der Bereich zwischen den Kanälen 21 und 48 (bis 694 MHz). Verglichen mit der Einführung von DVB-T zwischen 2002 und 2008 hat das Fernsehen also fast die Hälfte seiner Sendemöglichkeiten verloren. Die Programmveranstalter waren der Bundesregierung und ihrer Zeitplanung für die Breitband-Einführung sogar erheblich entgegen gekommen: Sie zogen ihre ursprüngliche bis Ende 2020 angesetzte Umstiegplanung um 1 1/2 Jahre vor, so dass ab Mitte 2019 die Kanäle 49 bis 60 nicht mehr zur Verfügung stehen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Umstiegsplanungen. Ein Parallelbetrieb beider Sendesysteme ist daher überhaupt nicht möglich. In einigen Regionen ist bis zum Umstiegsende Mitte 2019 mit einem Frequenzwechsel zu rechnen, weil die Ressourcen oberhalb des Kanals 48 danach nicht mehr benutzt werden dürfen.

Das Programmangebot des Pilot-Kanals ...

Mit der Etablierung eines befristeten Pilot-Kanals mit sechs Programmen ab dem 31. Mai 2016 und zusätzlich zu DVB-T ist ein Schachzug gelungen, der sowohl die Bewerbung des neuen Sendestandards als auch die des PayTV-Angebots Freenet TV unterstützt.

... und im Regelbetrieb

Der Regelbetrieb umfasst - regional abhängig - 14 zu 17 Programme von ARD und ZDF. Die nebenstehende ARD-Grafik (clicken zum Vergrößern) zeigt, welche Dritten Programme von den Schwesteranstalten jeweils übernommen werden. Die Montage unten zeigt die Logos aller bekannt gewordenen Programme.
Stand: 8/2017. Hinweise: ARD-Programme regional abweichend. BibelTV, QVC und HSE2 nicht in FullHD und nur in Freenet-Regionen. Weitere private Lokalprogramme ab 11/2017 in Berlin und Hamburg.

Migration von DVB-T auf DVB-T2 HD in vier Phasen

DVB_T2 Migrationsplanung. Quelle: Projektbüro DVB-T2HD. Eine Migrationsplanung der Bundesnetzagentur vom Juni 2015 nannte einen groben Zeitplan in vier Phasen für den Umstieg auf DVB-T2 (siehe die nebenstehende klickbare Grafik). Dafür stehen prinzipiell sechs Sendekanäle je Region, mancherorts auch mehr, zur Verfügung. Je einer steht - wie bei DVB-T gehabt - der ARD, dem ZDF und den Landesrundfunkanstalten zur Verfügung. Drei weitere Kanäle gibt es für die Privaten. Bereits frühzeitig war bekannt, dass die Programmfamilien RTL und ProSiebenSat1 sich mit jeweils sechs Programmen beteiligen. Damit sind zwei der drei Multiplexe für Private im Wesentlichen gefüllt. Für weitere bundesweite Privatprogramme und gegebenenfalls zusätzliche regionale Sender bleibt der dritte Kanal.
Hintergrund: Vier Phasen für den Umstieg auf DVB-T2 HD, Freenet TV.

Nicht alle Programme mit DVB-T2 HD, nicht alle in HDTV

Nicht alle Programme werden auf DVB-T2 HD umsteigen - zumindest nicht im Zuge des obigen Zeitplans. Die Lokalprogramme in Sachsen und Sachsen-Anhalt bleiben bis auf Weiteres beim „alten“ DVB-T und dem Standard-Bildformat mit MPEG-2 Kompression. Ausnahmen sind Leipzig Fernsehen und Dresden Fernsehen, die 2016 bzw. 2017 auf HDTV umgestellt haben. Sie kombinieren die MPEG-4 Kompression mit DVB-T. Hamburg1 bleibt zumindest bis zum November 2017 bei DVB-T. Ähnliches ist für TV.Berlin zu erfahren. Der Empfang sollte - wie der aller DVB-T Sendungen - auch mit den neuen DVB-T2 HD Geräten keine Probleme verursachen.

Über die genannten Regionen hinaus werden zusätzlich zu den drei öffentlich-rechtlichen und drei Sendekanälen für Freenet TV weitere Kapazitäten für regional zu verbreitetende Programme freigehalten. Das betrifft Berlin, Hamburg und Hannover/Braunschweig (mit größeren Privatangebot schon bei DVB-T). Weiterhin wurden dem WDR für seine Lokalzeiten zusätzliche Kapazitäten eingeräumt. Ob diese Ressourcen genutzt werden und von welchen Programmen ist zwei Monate vor dem Regelbetrieb noch offen.

Ein Viertel vom Vierfachen: „qHD“ hat mit HDTV aber fast nichts zu tun

Frei empfangbare Privatprogramme - namentlich BibelTV, HSE24 und QVC - werden nicht in FullHD, sondern im Bildformat „qHD“ gesendet. Das Kürzel irritiert, denn aus der „vierfachen Schärfe“ gegenüber der alten Standard-Bildauflösung von DVB-T wird dadurch auf ein „quarter“ (1/4) der Bildauflösung von HDTV reduziert. Das sind genau 960 mal 540 Pixel. Mit HDTV hat das allenfalls den Rechenfaktor 1/4 gemeinsam, der das Hochrechnnen von QHD im Fernsehen vereinfacht. Letztlich bewegt sich „qHD“ im Bereich der Standard-Bildauflösung. Das ist auch deutlich im Bild zu sehen - der Schärfeneindruck ist viel schlechter als bei HDTV und Screenehsot, April 2017. Quelle: dehnmedia
Screenshot von BibelTV (klicken zum Vergrößern). Unten rechts wird „576p“ (also: Standard) für die Bildauflösung angezeigt.
Foto: dehnmedia.
das naturgemäss gerade auf großen Fernsehern. Was zuhause kaum gefällt erweist sich für die Programmveranstalter als großes Plus: „qHD“

Völlig unverständlich ist daher, dass Media Broadcast diese drei Kanäle in den Programmlisten mit „HD“ kennzeichnet. Noch unverständlicher sind die strahlenden Lettern „HD“ in der Stationskennung von BibelTV. Dehnmedia schließt sich dieser fragwürdigen Praxis nicht an und wird den sachlich falschen Zusatz „HD“ oder „HDTV“ für diese Programme nicht verwenden.

Projektbüro begleitet den Umstieg

Ein Mitte 2015 von der ARD, den Medienanstalten, den Mediengruppen RTL und ProSiebenSat.1, dem VPRT und dem ZDF gegründetes Projektbüro „DVB-T2 HD“ soll den Umstieg flankieren. Es ist bei der Bayerischen Medientechnik (BMT) angesiedelt, einer Tochter der Medienanstalt BLM. Die geplanten Kommunikationsaktivitäten sind auf die Verbraucher ausgerichtet, sollen aber auch helfen, die Beratungskompetenz im Handel zu entwickeln. Bemerkenswert ist der Umstand, dass das Projektbüro in der Öffentlichkeitsarbeit zwischenzeitlich zur „Initiative DVB-T2HD“ herunter gestuft wurde.

Der Netz- und Plattformbetreiber Media Broadcast begann die eigene Werbekampagne für sein Pay-Paket unter dem Motto „There´s something in the air“ anlässlich der Funkausstellung 2015. Nach der Übernahme von Media Broadcast durch die Freenet AG wurde im Mai 2016 bekannt gegeben, dass das PayTV-Paket der privaten Programme als Freenet TV und für 69 Euro pro Jahr vermarktet wird. Ab Ende 2016 folgt eine neu konzipierte Werbekampagne, in die Freenet nach eigenen Angaben 56 Mio. Euro investierte.

Infos zur Einführung von DVB-T2:
dehnmedia-Meldung: 2 Aufschaltungen wurden verschoben vom 27.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Keine „über drei Millionen Geräte“? vom 15.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Hoher Bekanntheitsgrad vom 14.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Hamburg1 bleibt vorerst bei DVB-T, wechselt Kanal vom 14.3.2017.
dehnmedia-Meldung: NDR gibt Sendeleistungen im Norden bekannt vom 12.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Bisher wurden 503.000 Settopoxen verkauft vom 7.3.2017.
dehnmedia-Meldung: Keine „Gnade“ für DVB-T bei Radio Bremen? vom 23.2.2017.
dehnmedia-Meldung: Gnadenfrist für DVB-T im Norden vom 30.1.2017.
dehnmedia-Meldung: Mehr zum Umstieg im MDR-Gebiet vom 28.1.2017.
dehnmedia-Meldung: BibelTV HD ist dabei / 100 Tage vor dem Start vom 18.12.2016.
dehnmedia-Meldung: Projektbüro nennt weitere Fakten vom 24.11.2016.
dehnmedia-Meldung: Freenet TV - 61 Sendestandorte bis 2018 vom 24.10.2016.
dehnmedia-Meldung: Kabel Eins Doku bei Freenet TV vom 23.9.2016.
dehnmedia-Meldung: ARD nennt Verteilung der Dritten vom 1.9.2016.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast baut Netz für ARD und ZDF vom 29.8.2016.
dehnmedia-Meldung: Einige Private unverschlüsselt in „qHD“ vom 2.8.2016.
dehnmedia-Meldung: Offizieller Start am 29. März 2017 vom 6.6.2016.
dehnmedia-Meldung: Antenne in HDTV ab dem 31.5.2016 vom 22.3.2016.
dehnmedia-Meldung: ZDF-Gremium segnet Beteiligung ab vom 22.3.2016.
dehnmedia-Meldung: Private schon im Demo-Kanal grundverschlüsselt vom 2.2.2016.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast plant eigene Online-Kampagne vom 27.8.2015.
dehnmedia-Meldung: Erste Infos zum Pilotkanal vom 4.8.2015.
dehnmedia-Meldung: Startszenario und Technisches vom 25.7.2015.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast zur Infokampagne vom 6.7.2015.
dehnmedia-Meldung: Anpfiff zur Fußball-EM vom 10.6.2015.
dehnmedia-Meldung: Projektbüro und Logo vom 8.6.2015.
dehnmedia-Meldung: BLM zur Umstiegsplanung vom 21.5.2015.
DVB-T2 startete im April 2013 mit der Vermarktungsplattform SimpliTV in Österreich.
Informationen über den Einführungsstand von DVB-T2 in 43 Ländern.

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