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Grundsätzliches zum digitalen Antennen-TV DVB-T (3/4)

Für die Zuschauer in den ersten Einführungs-Regionen, die auf den TV-Empfang mit der Antenne angewiesen sind, bedeutet DVB-T: Ähnlich wie in den Frühzeiten des ZDF wird ein Zusatzgerät benötigt. Das ist in den meisten Fällen die „Settopbox“, die die digitalen DVB-T-Signale so umwandelt, dass ein herkömmlicher Fernseher den nun digital gesendeten Bild und Ton wiedergeben kann.

Das Geräteangebot entwickelte sich seit 2002 explosionsartig. Innerhalb kurzer Zeit fanden sich in den Geschäften zusätzlich zu den Settopboxen auch DVB-T-Empfänger für den Computer, digitale Videorekorder, Fernsehgeräte mit Digitalempfang und vieles mehr. Es kann davon ausgegangen werden, dass Ende des Jahres 2004 etwa 150 Produkte für den DVB-T-Empfang im Handel sind. Ende 2007 verzeichnet die Datenbank dieser Website um 600 lieferbare DVB-T Geräte und weitere zur Auslieferung angekündigte Produkte.

Nicht nur mehr Programme

DVB-T bringt nicht nur eine bessere Bildqualität. Auf einem Fernsehkanal können statt bisher ein Programm nun bis zu vier Programme in einem Paket („Multiplex“) ausgestrahlt werden. Und, auch nicht zu unterschätzen, der Energiebedarf der Sendeanlagen und die Sendeleistung können erheblich reduziert werden – DVB-T verbessert die Umweltbilanz. Es ist möglich, zusätzlich zum Bild, dem gewohnten (Stereo-)Ton und dem Videotext weitere Dienste zu verbreiten. Zu den Optionen gehören beispielsweise der Electronic Program Guide (EPG) mit Informationen zum Programmablauf und Inhalt von Sendungen und digitaler Dolby-Mehrkanalton. Allerdings haben alle Sender 2007 ihre Dolby-Ausstrahlungen via DVB-T beendet; argumentiert wurde mit der dadurch möglichen Verbesserung der Bildqualität.

Das Besondere der Sendetechnik ist die wesentlich verbesserte Stabilität des Signals. Vielerorts, wo man sich seit Jahrzehnten an „verschneite“ analoge Bilder gewöhnt hatte, werden Fernsehprogramme jetzt schmerzfrei ansehbar. Dazu tragen das Modulationsverfahren COFDM und Techniken zur Fehlerkompensation sowie der sogenannte Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network, SFN) bei. So muss man die Antenne nicht mehr direkt auf den nächstgelegenen Sender richten. Oft bringt schon eine unauffällige Stabantenne einen guten Empfang. SFN-Schema
Single Frequency Networks:
Ein Kanal, ein Bouquet
Grafik: GARV

Neu ist das interaktive Fernsehen, das durch die digitale Technik möglich wird. Dabei werden Datendienste verbreitet, die mit den dafür ausgestatteten Empfängern genutzt werden können. Als Erweiterung der DVB-Standardfamilie wurde dafür die Multimedia Home Platform (MHP) entwickelt; jedoch wurde das einzige DVB-T Angebot, der Digitext des ZDF, wegen mangelnden Interesses im Sommer 2007 eingestellt. Ein weiterer Schritt ist DVB-H, eine Variante von DVB-T für das Fernsehen auf kleinen Displays und mit tragbaren Geräten wie Notebooks, PDAs oder Handys.
Einen Vergleich der praktischen Vor- und Nachteile von DVB-T, DVB-S und DVB-C finden Sie hier.
Mehr zu den technischen Unterschieden ist in diesem Artikel zusammengefasst.

Besser als erwartet ...

Portable und mobile Nutzung, neue Dienste und das wesentlich erweiterte Programmangebot können der Antenne zu einem Comeback verhelfen. DVB-T bietet sich zugleich für die Versorgung von Zweitgeräten an. Diese Strategie scheint aufzugehen: So wurde in der Region Berlin/Potsdam ursprünglich mit 170.000 Antennenhaushalten gerechnet. Bis zum Herbst 2004 wurden etwa 240.000 Geräte verkauft. Für ganz Deutschland wurde bis Ende 2004 ein Absatz von 1,1 Million Geräten erwartet. Tatsächlich wurden allein im Jahr 2004 1,4 Millionen Settopboxen ausgeliefert. Bis Jahresende 2005 wurden nach Angaben des ZVEI etwa 3,4 Millionen Geräte verkauft. Ende 2006 war von 7,2 Millionen Geräten, Ende 2007 schon von 9 Millionen Geräten die Rede.

Stationär, portabel, mobil

Für DVB-T werden drei Empfangssituationen beschrieben. Wenn vom „portablen Indoor“-Empfang die Rede ist, heisst das: Im Umfeld von Sendeanlagen (Empfangs-Kernbereich) reicht eine Zimmerantenne aus. Mit tragbaren Empfängern kann man dort, ohne sich besonders um die Ausrichtung der Antenne zu kümmern, im Zimmer, auf dem Balkon oder im Vorgarten fernsehen. Mit zunehmender Entfernung von den Sendeanlagen kann eine Verstärker- oder eine Außenantenne praktisch sein („portabel Outdoor“). Im Randgebiet der Sendereichweite ist für den „stationären Empfang“ eine Dachantenne notwendig. Vorhandene Fernseh-Zimmerantennen können weiter genutzt werden. Auch Dachantennen und Gemeinschaftsanlagen können in den meisten Fällen ohne besondere Veränderungen für das digitale Fernsehen verwendet werden.

Im Auto ist, im Kerngebiet der Reichweite eines Sendeturms und mit geeigneten Geräten, sogar bei Geschwindigkeiten über 150 Kilometer pro Stunde ein guter Empfang möglich. Die Gleichwellennetze unterstützen das: Die Programmpakete werden von mehreren Sendern aus auf dem gleichen Kanal verbreitet. So wird das Empfangsgebiet vergrößert, in dem die Angebote ohne Neuprogrammierung des Empfängers genutzt werden können.

DVB-T weltweit

Wichtige Teile des Standards für das digitale Antennenfernsehen DVB-T wurden von Firmen und Institutionen in Deutschland entwickelt. Diese Grundlagen-Arbeit hat aber weit über Europa hinaus Anerkennung und Interesse gefunden. DVB-T ist in zahlreichen Ländern im Regelbetrieb oder die Systemeinführung steht kurz bevor. Bisher nicht entschieden haben sich fast nur Länder Afrikas, Asiens und Südamerikas; dort ist eine terrestrische Fernsehversorgung - schon wegen den dünnen Besiedelung - ohnehin nicht sinnvoll. Die internationalen Seiten zeigen den Stand der Dinge in vielen Ländern.

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