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HDTV - Grundlagen (3/3)

Die Roadmap für HDTV

Satellit und Kabel sowie das Internet (Stichwort: IPTV) werden auf lange Zeit die Quellen von HDTV-Sendungen sein. Diese werden (in den meisten Ländern) grundsätzlich mit der MPEG-4 Kompression verbunden. Die bis zum Sommer 2005 verkauften HDTV-Satellitenboxen beherrschen nur MPEG-2. Dieses Kompressionsverfahren nutzte bis Juni 2005 auch das erste europäische HDTV-Vollprogramm Euro1080/HD1. Die neue Kompression mit MPEG-4/H.264 AVC verwenden alle korrekt sendenden HDTV-Programme, darunter das Bezahlfernsehen Premiere/Sky ebenso wie die frei empfangbaren HD-Versionen der privaten Programme. Der entsprechend erweiterte Satelliten-Standard DVB-S2 schafft bessere Voraussetzungen für die Satellitenübertragung von HDTV. Da die Techniker ohnehin „progressive“ Bilder bevorzugen, wird für die längere Perspektive an einem Standard 1080p gearbeitet.

Livesport mit Breitbild als Werbemittel für HDTV

Die Fussball-Weltmeisterschaften 2006 wurden aus Sicht der Fernsehtechnik zur Promotion von HDTV genutzt. Alle Spiele wurden in den Stadien zwar originär in HDTV produziert. Um allen Zuschauern der 250 angeschlossenen Sendeanstalten in aller Welt
ein optimales TV-Bild zu bieten, stellten die die FIFA und ihre Technikpartner die Übertragung in drei Varianten bereit. Die Anstalten konnten zwischen einem 16:9- und einem 4:3-Signal wählen. Dafür wurde das HDTV-Bild automatisch auf SD-Auflösung herunterkonvertiert und dann nochmals seitlich auf 4:3 beschnitten. Regisseure und Kameraleute hatten die Aufgabe, sich während der Produktion auf die 4:3-Variante (in der das Bild weltweit auf den meisten Fernsehern angesehen wird) zu konzentrieren. Getestet wurde das während des Federations Cup 2005 und beim Finale der Champions League 2006. Kameramonitor (Paris, 17.5.2006). Foto: Dehnmedia
Im Monitorbild einer professionellen
HDTV-Kamera sieht der Kameramann
den 4:3-Bildbereich in Farbe, die Erweiterung
auf das 16:9-Bild nur entfärbt.
Foto: dehnmedia (Paris, 17.5.06, CL-Finale)

Deutschland (1): Private

In Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt nur Premiere für die Fussball-WM 2006 HDTV-Rechte erworben. Das Unternehmen hatte nur 20.000 HDTV-Kunden (Stand: Mai 2006) und sendete daher parallel auch in PAL 4:3 und 16:9. ARD und ZDF übertrugen ihre Spiele in SDTV 16:9.

Die ProSiebenSat1-Programmfamilie engagierte sich für HDTV und zeigte zwischen November 2004 und April 2005 einige Programm-Highlights via Astra in HDTV und PAL parallel. Mitte August 2005 hatte ein Vertreter der Senderfamilie noch erklärt: HDTV kostet uns dreistellige
Vergleich TV-Formate. Grafik: ARD-Jahrbuch 2006
TV-Formate im Vergleich: PAL (720x576 Pixel), HDTV prgressiv (1280x720), HDTV interlaced (1920x1080), 16mm Film (2048x1556). Grafik: ARD-Jahrbuch 2006.
Millionenbeträge für neue Technik; die können wir nur schrittweise auf dem Wege der Ersatzbeschaffung integrieren. Und: HDTV bringt uns nicht mehr Werbeeinnahmen. Einen Tag vor der Internationalen Funkausstellung Anfang September 2005 kam dann die Überraschung: Die Programme Pro7 und SAT1 werden seit dem 26. Oktober 2005 über Astra parallel auch in HDTV und gebührenfrei ausgestrahlt. Allerdings wird das Bild zumeist „aufwärts konvertiert“ - d.h. ausgehend vom PAL-Bild an die viel höhere Pixelzahl angepasst. Denn nur etwa 20 Prozent der Sendungen in der Primetime liegen dort in HDTV vor. Ob die so erzeugten Bilder die Qualität einer orignären HDTV-Ausstrahlung erreichen, wage ich zu bezweifeln.

Ebenso überraschend wie der Sendebeginn kam die „vorübergehende“ Einstellung der HDTV-Übertragungen von ProSieben und Sat1 am 16. Februar 2008. Diese war mit der Ankündigung verbunden, man wolle sich bis zum Relaunch 2010 verstärkt um die Umstellung auf das 16:9-Bildformat kümmern. Diesen Standpunkt vertrat auch RTL Seither werden deutsche HDTV-Programme nur von Premiere (2 Pay-Kanäle) und AnixeHD angeboten. Bei RTL gab es dort im April 2009 „keine Zeitmarke“.

Seit dem 1. November 2009 senden einige Privatprogramme via Satellit in HDTV. Elf Programme (Stand: 10/2011, s.u.) kommen über die grundverschlüsselte Astra-Plattform HD+ via Sat und werden inzwischen in zahlreiche Kabelnetze weitergeleitet. Allerdings wird nur der geringste Teil der Sendezeiten mit nativen HDTV-Inhalten bestritten.

Deutschland (2): Arte seit 2008, ARD/ZDF seit 2010

Während Pro7 und Sat1 lange lavierten, ist die Situation bei den Öffentlich-rechtlichen gänzlich anders. In den Etats des ZDF und der ARD-Anstalten, die auf der Arbeit der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) beruhen, waren HDTV-Sendungen bis zum Jahr 2008 überhaupt nicht vorgesehen. Man wollte sich erst auf HDTV einlassen, wenn ausreichend Empfangsgeräte verkauft wurden und wenn durch die Einstellung der analogterrestrischen Verbreitung Mittel ab 2009 für andere Zwecke frei werden. Und natürlich verursacht die für längere Zeit unbedingt notwendige Simulcast-Ausstrahlung in HDTV und SDTV (und analogem PAL) erhebliche Zusatzkosten.

Nachdem es im Frühjahr 2006 etliche Gerüchte - und Dementis - zu einem angeblichen Einstieg des ZDF ins Thema HDTV gab, fasste ein ZDF-Sprecher die Situation Anfang Juni 2006 so zusammen:
„Als öffentlich-rechtlicher Sender muss das ZDF verantwortlich mit den Gebühren umgehen. Bislang können nur wenige Zuschauer in Deutschland HDTV überhaupt empfangen. HDTV wird sicherlich zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking ein größeres Thema werden. Wir werden zu einem geeigneten Zeitpunkt - möglicherweise 2008 - mit einem attraktiven Angebot an den Start gehen, das parallel zum PAL-Angebot ausgestrahlt wird. Dazu muss aber ein deutlich zweistelliger Prozentsatz unser Kunden HDTV wollen und über die entsprechenden Geräte verfügen. Die Ausstrahlung macht außerdem erst dann Sinn, wenn genügend echte HDTV-Sendungen angeboten werden können und nicht hochgerechnete PAL-Signale.“ (Zitiert nach dem Online-Dienst Area DVD vom 2. Juni 2006)
Während der medienpolitischen Veranstaltungen der Funkausstellung 2006 wurde diese Einschätzung von hochrangigen Vertretern von ARD und ZDF bestätigt.

Ein Jahr später wurden ARD und ZDF dann konkret: Der HDTV-Regelbetrieb am 12. Februar 2010 anläßlich der Winterolympiade. In HDTV werden zunächst die beiden Hauptprogramme sowie 1Festival verbreitet - jedoch nur über Astra-Satellit. Der deutsch-französische Kulturkanal hatte bereits im Juli 20008 den parallelen Regelbetrieb in HDTV aufgenommen. Im Vorfeld des Regelbetriebes gabe es von 2007 bis 2009 mehrere Showcases.

Mit weitere HDTV-Versionen öffentlich-rechtlicher Programme ist nicht vor Mai 2012 zu rechnen. Dann werden ARD und ZDF die analogen Sat-Ausstrahlungen beenden und die freien Transponder können für HDTV-Programme verwendet werden. In dieser zweiten Phase könnten Phoenix und die Dritten Programme von BR, SWR, WDR und NDR mit HDTV-Versionen auf Astra aufgeschaltet werden.

Hier die Termine der ARD/ZDF Roadmap, ergänzt um einige weitere Ereignisse:

Termin Ereignis

26.10.2005 ProSieben und Sat1 starten den Simulcast mit HDTV-Programmen. Nur etwa 20 Prozent der Sendungen zur Primetime liegen „nativ“ in HDTV vor, der Rest wird auf das Format 1080i/25 hochkonvertiert.
28.1.2006 Premiere startet drei Kanäle - Spielfilme, Sport und Discovery HD in 1080i/25.
17.5.2006 Das frei empfangbare Programm AnixeHD sendet in 720p/50.
11.2006 Premiere legt den Spielfilm- und den Sportkanal zu einem Programm zusammen.
31.8. bis 5.9.2007 Anläßlich der Funkausstellung strahlt die ARD ihren ersten Showcase unter der Marke 1Festival aus.
16.2.2008 ProSieben und Sat1 setzen ihre HDTV-Ausstrahlungen bis 2010 aus.
21. bis 24.3.2008 ARD-Showcase zu Ostern auf 1Festival.
1.7.2008 Das deutsch-französische Kulturprogramm sendet in HDTV via Astra.
29.8. bis 3.9.2008 Showcase der ARD unter 1Festival anlässlich der Funkausstellung.
20.12.08 bis 1.1.09 Showcase zu Weihnachten/Jahreswechsel auf 1Festival HD.
15. bis 23.8.2009 Showcase anlässlich der Leichtatlethik-WM in Berlin unter den Markenzeichen DasErste HD, ZDF HD und 1Festival HD.
4. bis 9.9.2009 Showcase anlässlich der Funkausstellung in Berlin unter den Markenzeichen DasErste HD, ZDF HD und 1Festival HD.
Okt. 2009 Der Sat-Betreiber Astra startet die Vermarktung des grundverschlüsselten Paketes HD+ mit den HDTV-Varianten von ProSieben, Sat1, Kabel1, RTL und RTL II.
19. bis 28.12.2009 Showcase zu Weihnachten unter den Markenzeichen DasErste HD, ZDF HD und 1Festival HD.
12.2.2010 DasErste HD und ZDF HD sowie 1FestivalHD beginnen anlässlich der Olympischen Winterspiele in Vancouver mit dem Simulcast ihrer Hauptprogramme.
2011 HD+ erweitert im Laufe des Jahres das Angebot auf 12 Programme: Neu dabei sind VoxHD, Sport1HD, NickelodeonHD, Comedy Central HD und SixxHD, N24HD und Tele5HD.
30.4.2012 Die Dritten von NDR, WDR, SWR und BR starten den Simulcast in HDTV via Sat. Vom ZDF kommen ZDF Info, ZDF Kultur und ZDF Neo via Sat in HDTV. Ebenso die Gemeinschaftsprogramme Phoenix, KiKa und 3Sat.
Zeitgleich werden alle per Astra analog verbreiteten deutschen TV-Programme abgeschaltet.
12/2013 Die ARD-Spartenkanäle Eins Festival (bisher HD-Testbetrieb), Eins Plus und Tagesschau24 sowie die 3. Programme des HR, MDR und RBB starten den Simulcast in HDTV via Sat.
5/2014 Das grundverschlüsselte Pay-Paket HD+ bringt 20 Programme und erhöht die Preise.
31.5.2016 DVB-T2 HD startet - HDTV-Programme gibt es erstmals terrestrisch. Allerdings sind die Privaten im Rahmen ihre Sendeplattform Freenet TV grundverschlüsselt und kostenpflichtig. Viele Programme senden in FullHD (1080p50), werden aber vom Sendenetzer hochgerechnet.
2021 Ende des HD/SD-Simulcast der ARD/ZDF-Programme geplant - Beginn der Abschaltung der SDTV-Satelliten Transponder?

Hinweis (1): Auf längere Zeit werden nicht alle Sendungen in HD produziert, die bis etwa 2008 entstandenen Programme liegen ohne nur analog vor. Daher wird ein großer Anteil der Sendungen zunächst vor der Ausstrahlung auf HD hochgerechnet. Große internationale Live-Ereignisse wie die Fußball-WM, Olympische Spiele sowie Studioproduktionen werden seit etwa 2010 zunehmend in HDTV produziert.
Hinweis (2): Die wichtigsten privaten HDTV-Programme wreden grundverschlüsselt und kostenpflichtig im Rahmen der Plattform HD+ via Astra verbreitet. Private HD-Programme in Kabelnetzen sind ebenfalls (zusätzlich zu den normalen Kabelgebühren) kostenpflichtig.
Stand: Mai 2016.

Ausland

Fernsehen aus dem All. Foto: SES Astra In den USA wurde ein Stufenplan für die HDTV-Einführung von staatlicher Seite (der Regulierungsbehörde FCC) angeordnet. In Europa gibt es dagegen gegenwärtig keine gemeinsamen Strategien von Programmveranstaltern, Sendenetzbetreibern und Geräteherstellern für den Umstieg auf HDTV.

In einigen DVB-T Regionen Australiens wird seit Längerem mit MPEG-2 gesendet, während Neuseeland im April 2008 DVB-T gleich mit MPEG-4-Kompression startete. Die USA, England, Australien und Neusseland sind dabei durch ihre Lage begünstigt - sie müssen wenig Rücksicht auf die Frequenznutzung der Nachbarn nehmen und können daher aus dem Vollen schöpfen. Daher gibt es dort Möglichkeiten, HDTV-Sendungen per DVB-T auszustrahlen - ohne Abstriche am Umfang des Programmangebots zu machen.

Diverse europäische Fernsehveranstalter, darunter die Pay-TV-Sender BSkyB (England) und TF1 und Canal+ (Frankreich) starteten 2008 mit Probeausstrahlungen via Sat ins HDTV-Zeitalter. Tests gab es in mehreren europäischen Ländern aber auch via Antenne. England orientierte hingegen als weltweit erstes Land auf HDTV mit DVB-T2-Sendetechnik. Das Programmpaket FreeviewHD startete im Dezember 2009. Mitte 2011 werden in 13 europäischen Ländern 65 HDTV-Kanäle über die Antenne verbreitet.

Fazit

HDTV ist der nächste Schritt in der Fernsehtechnik für zuhause. Bis das „fünfmal schärfere Bild“ über Satellit und Kabel und wirklich von allen privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Haus kommt, wird es noch Jahre dauern. Das liegt allein daran, dass die Produktions- und Sendetechnik fast komplett erneuert werden muss - die Investitionen dafür liegen im Millardenbereich. Früheinsteiger waren um 008 mit einem „HDready“-Fernseher gut gerüstet. 2016 ist HDTV ein Standardmerkmal aller Fernsehgeräte ab etwa 32 Zoll und der nächste Auflösungsschritt in Richtung UltraHD wirkt sich auf den Gerätemarkt aus - allerdings kaum auf das Angebot an Inhalten.

HDTV-Sendungen über Antenne waren in Deutschland etwa 2012 nicht abzusehen. Damals wurde an dieser Stelle formuliert:
Ein wichtiger Vorteil von DVB-T ist die Programmvielfalt. Die müsste für HDTV entweder aufgegeben werden oder es wären neue Empfangsgeräte (mit MPEG-4 und HDTV) notwendig. Das würde allerdings die Millionen seit 2002 verkauften Geräte, ob Settopbox oder Fernseher, entwerten. Bei der Einführung eines HDTV-Regelbetriebes wird DVB-T also die rote Laterne tragen.
HDTV über Antenne wird mit dem Umstieg auf DVB-T2 eingeführt werden. Allein aus Kostengründen wird das erst nach Abschaltung der analogen Sat-Übertragung durchgeführt werden. Mit der Einführung von DVB-T2 und HDTV-Programmen per Antenne ist daher sicherlich nicht vor 2015 zu rechnen.
Diese Vorausschau erwies sich (bis auf die Kopplung von DVB-T2 mit der SDTV-Abschaltung via Sat) als durchaus richtig: Am 31. Mai 2016 startet DVB-T2 HD mit mehr Programmen (dank HEVC) und einer Ausweitung des Sendegebiets der großen Privatsender (die allerdings als Freenet TV kostenpflichtig vermarktet werden.

Links zum Thema
dehnmedia-Meldung: Die ARD will das Ende von SDTV einläuten vom 24.8.2017.
dehnmedia-Meldung: ZDF verschiebt SD-Abschaltung um ein Jahr vom 29.5.2017.
dehnmedia-Meldung: KEF gibt Sat-SDTV Gnadenfrist bis 2019 vom 14.4.2016 (20. KEF-Bericht).
18. KEF-Bericht: SDTV nur bis 2019 (Tz, 310 ff.) vom Januar 2012.
dehnmedia-Meldung: DVB-T Bilanz in Europa vom 8.6.2011.
dehnmedia-Meldung: ARD zur HDTV-Roadmap vom 16.4.2008.
Veranstaltungsinfos: „Der Weg zu HDTV“ der Deutschen TV-Plattform vom 10.4.2008.
dehnmedia-Meldung: ProSieben und Sat1 stoppen HDTV-Simulcast (14.2.2008).
Presseinfo: Sendestart bei Premiere via Astra vom 31.8. 2005.
Presseinfo: Sendestart von ProSieben und Sat1 vom 30.8.2005.
Weitere Links zu HDTV.

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