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Digitalradio: Regional, lokal - was geht (nicht)? (1/4)

Digitalradio-Schriftzug ab 5/2107 Ein Platz im UKW-Band ist beinahe eine Lizenz zum Gelddrucken, denn man agiert in einem auf wenige Konkurrenten begrenzten Wettbewerbsumfeld. Zudem kommt UKW mit seiner lokalen technischen Struktur den Bedürfnissen lokaler Radioveranstalter entgegen. DAB+ wird das ändern - schon, weil ein breiteres Programmangebot möglich wird. Was den Hörer freut zwingt die etablierten Radios in eine neue Wettbewerbssituation. Allerdings hat DAB+ für lokale und regionale Sender einige Schwierigkeiten.

Die von UKW her gewohnten Sendenetzstrukturen können nicht ohne Weiteres für DAB+ übernommen werden. DAB+ arbeitet - zumindest für die bundes- und landesweiten Versorgungen - mit viel größeren Sendegebieten. Alle DAB+-Multiplexe müssen zudem mit einer bestimmten Mindestzahl von Programmen gefüllt werden, um wirtschaftlich zu arbeiten. Selbst auf Landesebene gibt es zur Zeit (und vor Festlegungen zur UKW-Abschaltung) nicht überall ausreichend Interessenten. Die Kosten sind nicht finanzierbar, es wird nicht gesendet. Der bisher übliche Zuschnitt der Multiplexe ist für Lokalradios eher zu groß - und damit zu teuer.

Lösungsansätze für die Digitalisierung regionaler und lokaler Radios

Es gibt mehrere prinzipielle Überlegungen, wie man den Interessen regionaler und lokaler Radioveranstalter entgegen kommen könnte. In jedem Fall braucht es den Willen der Radioveranstalter und Sendenetz-Betreiber, der Medienanstalten und der Landespolitik, die Digitalisierung gemeinsam nach vorn zu bringen.
Privatradios und ARD-Programme in gemeinsamen Multiplexen.
Mit vielen gemeinsamen Multiplexen auf Landesbene war DAB+ ja 2011 neu gestartet worden. Jetzt geht es darum die Regionalisierungs-Ideen der Landesrundfunkanstalten zu verwirklichen und dabei die lokalen und regionalen Privatradtios „huckepack“ mitzunehmen. Ein solches Szenario wurde ab Mitte 2017 in Bayern eingeführt.
DAB+ regional in Bayern.
Small Scale DAB / Software Defined Radio.
Die Idee für Small Scale DAB kommt aus der Schweiz und wird dort bereits praktiziert. Grundlage ist die kostenlose Open Source-Software des Software Defined Radio-Projekts, die alle wichtigen Funktionen für Kleinstleistungssendern zur Verfügung stellt. Für Lokalradios ergibt sich daraus eine kostengünstige Einstiegsmöglichkeit.
Hintergrund: Small Scale DAB.
Technische Lösung: Regionalisierung durch Bandbreiten-Management.
Zur Zeit laufen Tests in Sachsen-Anhalt. Die Auseinanderschaltung in mehrere Datenströme für Regionalsendungen funktioniert ähnlich wie beim Fernsehen mit DVB-T oder DVB-T2 HD.
Hintergrund: Statistischer Multiplex (DVB-T-Bereich).
Auseinanderschaltung in Gleichwellennetzen.
Das versucht man als Pilotprojekt in Niedersachsen, um die Lokalradios in eine größere sendetechnische Infrastruktur einzubauen.
DAB+ regional in Niedersachsen.
Frequenzmanagement: Regionalisierte Multiplexe als landesweite Abdeckung.
Ein solches Vorhaben wird Mitte 2018 f+ür Rheinland-Pfalz diskutiert.
Hintergrund: Things to come.
„Hörfunkkonzept 2022“ - mir oder ohne Lokalradios?
Bis September 2017 wurde in NRW die digitale Terrestrik konsequent abgelehnt - von den 45 Lokalradios, der Medienanstalt und der Landesregierung. Vordergründig wird DAB+ als nicht marktgetrieben abgewatscht. Im Hintergrund steht der Erhalt eines über UKW vor Konkurrenz geschützten Marktes für die Lokalradios. Ab Ende 2017 erkennen die Beteiligten, dass eine Abschottung gegen DAB+ schädlich wäre. Anfang 2018 wird ein „Hörfunkkonzept 2022“ erarbeitet, das DAB+ einschließen soll. Die Privatradios wollen freilich ihren Wettbewerbsvorteil ins Digitale mitnehmen. Interessanterweise wurde Ende Februar 2018 ein unabhängiges Regionalprogramm für Düsseldorf lizenziert.
DAB+ regional in NRW.
DRM+ - eine digitale Alternative?
Eine digitale Sendetechnik, die wie DAB im VHF-Band und ebenso über UKW arbeitet und für lokale Versorgungen interessant sein könnte. Es gibt allerdings keine Empfangsgeräte dafür.
Situation in den Bundesländern

Eine Schwierigkeit für eine nationale Rundfunkpolitik ist die förderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland. Hier sind Bundesländer für die Ausgestaltung des Rundfunkwesens zuständig - und damit auch für die grundsätzlichen Konzepte Entscheidung zur Radioverbreitung.

In der Praxis ergeben sich gegensätzliche Strategien für die Radio-Digitalisierung. Das Größtmögliche tut man dafür in Bayern - einschließlich einer Förderung regionaler Simulcasts. Überhaupt nichts macht man in NRW um die Radiotöchter der im Lande aktiven Verlage vor neuer Konkurrenz zu schützen.

Zu beachten sind zudem auch einige medienrechtliche Fragen, die zum recht unterschiedlichen Herangehen in den Bundesländern beitragen. Beispielsweise gestattet §40 des Rundfunkstaatsvertrages (20. Bovelle, Inkraft seit dem 1.9.2017) den Landesmedienanstalten,
die Förderung von landesrechtlich gebotener technischer Infrastruktur zur Versorgung des Landes und zur Förderung von Projekten für neuartige Rundfunkübertragungstechniken.
Das nutzen z.B. Bayern und Sachsen für ihre Lokalradios - auf Grundlage des jeweiligen Landesmediengesetzes. Der Haken daran ist, dass §40 diese Förderungen der Infrastruktur nur bis Ende 2022 erlaubt. Eine Verlängerung dieser Regelung wäre sich sinnvoll.

Regionalisierungstrends in den Bundesländern

Hier eine Übersicht:
Baden-Württemberg Die meisten Radios im landesweiten Privatmux haben Wurzeln im Bundesland.
Einen Programmplatz „Bürgermedien BW“ teilen sich drei nichtkommerzielle Veranstalter.
Eine Studie zur Perspektive des Lokalfunks ist in Arbeit.
Bayern Die sehr umfangreiche Lokalradioszene ist seit 20 Jahren auch digital aktiv. DAB+ startete mit vier Städte-Inseln für Private. Gemeinsam mit dem BR wird ab Mitte 2017 eine landesweite Struktur regionaler Multiplexe aufgebaut, wodurch alle lokalen Radios bis 2018 parallel in DAB+ gesendet werden können. Dort senden sowohl landesweite als auch lokale Radioprogramme. Letztlich sollen alle Lokalradios auf DAB+ gebracht werden.
Das IRT testet Small Scale DAB+ in München.
Berlin/Brandenburg Ende Januar 2018 wurden 23 Veranstalter für den neu konzipierten Hauptstadtmux bzw. einen weiteren Privatmux für Berlin und Brandenburg lizenziert. Darunter sind zahlreiche regionale UKW-Radios.
Der RBB begann im September 2017 mit dem Aufbau eines Sendenetzes für Brandenburg/Berlin und führt zugleich diverse Regionalisierungen ein.
Bremen Für Bremen und Bremerhaven wurde Mitte 2017 eine Multiplex-Plattform ausgeschrieben. Darum bewarb sich der Newcomer Stadtmusikanten Radioservices mit einem an Small Scale orientierten Konzept. Der Zuschlag ging an Media Broadcast.
Hamburg Der landesweite Privatmux ist der erste mit Plattform-Regulierung. Plattform-Betreiber Media Broadcast füllte den Mux bis September 2017 mit 14 Programmen, davon sieben mit eindeutig hanseatischem Bezug.
Hessen Der landesweite Privatmux umfasst elf kommerzielle Programme, darunter vier mit Landes-Bezug. Weitere vier Nichtkommerzielle Radios teilen sich zwei Sendeplätze.
Schon Mitte 2018 könnte ein zweiter Mux für die Privatradios und NKLs in Nord- und Osthessen realisiert werden.
Mecklenburg-Vorp. Der NDR sendet seinen Multiplex zur Zeit über fünf Frequenzen. Auf einen Call for Interest meldeten sich im Herbst 2017 immerhin sechs Radios und ein Plattformbetreiber. Eine technische Lösung für fünf Regionen wird für sinnvoll gehalten. Voraussetzung seien aber Fördermittel für den Simulcast.
Niedersachsen Ein zweijähriger Modellversuch beschäftigt sich bis Ende Oktober 2017 mit der Auseinanderschaltung lokaler Fenster in Gleichwellennetzen.
In derzeit fünf Netz-Regionen des NDR wäre eine Kooperation mit Privaten denkbar.
NRW Das Kölner Domradio war eines der ersten Privatprogramme auf DAB. Der Sender muss den WDR-Mux Ende 2019 und damit DAB+ verlassen, sofern sich keine andere Lösung ergibt.
Land, Medienanstalt und 45 Privatradios unter Führung der Zeitungsverlage haben DAB+ bisher rundweg abgelehnt. Ihre bevorzugte UKW-Situation wollen die Lokalradios auch nach DAB+ mitnehmen und ein 2018 von der Medienanstalt LfM zu erarbeitendes „Hörfunkkonzept 2022“ entsprechen beeinflussen. Möglicherweise wird eine Novelle des Landesmediengesetzes notwendig.
Zeitgleich wurde ein Ballungs-Raumsender für Düsseldorf und Plattformanbieter von der LfM zugelassen, jedoch keine Frequenz zugewiesen.
Zuvor hatte die LfM eine Gruppe von Privatsendern ignoriert, die in Köln einen Rheinlandmux auf Small Scale Basis aufsetzen wollten. Eine Regionalisierung über die WDR-Sendestruktur wäre theoretisch denkbar.
Rheinland-Pfalz Im SWR-Multiplex gastiert bigFM. 2014 gab es Versuche mit einem Kleinleistungs-Kombisender für DAB+ und DRM+. Domradio Studio Nahe führte ein Small Scale-Projekt vom August 2017 bis Ende April 2018 durch.
Die Medienanstalt LMK bereitet im Frühjahr 2018 das Projekt einer landesweiten Abdeckung auf Grundlange von drei bis fünf regionalen Muxen vor.
Saarland Radio Salü ist als einziges Privatradio - als Gast des SR-Muxes - bei DAB+ dabei.
Ein Call for Interest brachte Ende 2017 immerhin elf Rückmeldungen von Programmen und weitere von potenziellen Plattformbetreibern. Laut Medienanstalt LM Saar sind zunächst Ändeurngen im Landesrecht erforderlich. Das könnte auch ein zuvor gerüchteltes Small Scale-Projekt betreffen.
Sachsen Zwei Lokalradioprojekte auf Basis von Software Defined Radio und Lowpowersendern starteten am 31. Januar 2018. Mit 15 Teilnehmern in Leipzig und 12 in Freiberg sind die beiden Muxe ausgebucht.
Ein Pilot, durch den R.SA als „Gast“ im MDR-Mux UKW-Versorgungslücken schließt, wurde „bis zu einer sachsenweiten Einführung von DAB+“ verlängert.
Sachsen-Anhalt SAW und Radio Brocken nutzen Bandbreitenmanagement für Auseinanderschaltungen von je drei Regionalisierungen im Rahmen eines üblichen Technikkonzeptes.
Schleswig-Holstein „Unter frequenzökonomischen und wirtschaftlichen Aspekten wäre dies durchaus sinnvoll“, kommentiert die Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein die Idee einer Kooperation mit dem NDR. Das interessierte Radio R.SH (ist in den Hamburger Lokalmux ausgewichen). Die Lokalradios nach bayerischem Vorbild in den regional organisierten Muxen des NDR?
Thüringen Ein „Call of Interest“ soll 2018 Aufschluß über das Interesse der im Land im Land auf UKW aktiven Radios sowie nichtkommerzieller Veranstalter bringen
Stand : Januar 2018.

Weitere Informationen:
dehnmedia-Meldung: Regionalkonzept für Rheinland-Pfalz? vom 19.4.2018.
dehnmedia-Meldung: Erst Förderhebel, dann Ausschreibung für DAB+ in M-V. vom 8.3.2018.
dehnmedia-Meldung: „Call for Interest“ für Thüringen in Vorbereitung vom 7.3.2018.
dehnmedia-Meldung: Mehr!Radio plant Plattform für Düsseldorf vom 7.3.2018.
dehnmedia-Meldung: Kommt der Hessen-Mux 2 schon im Sommer? vom 5.3.2018.
dehnmedia-Meldung: LfM schiebt DAB+-Entscheidung weiter auf vom 27.2.2018.
dehnmedia-Meldung: SLM startet Small Scale Projekte am 31.1. vom 22.1.2018.
dehnmedia-Meldung: Lokalradio-Verband will „keine Abschottung“ vom 21.9.2017.
dehnmedia-Meldung: Call for Interest jetzt auch für MV vom 15.9.2017.
dehnmedia-Meldung: Wer nicht wenigstens nachdenkt, hat verloren vom 8.9.2017.
dehnmedia-Meldung: LMS startet Verfahren für Interessenbekundung vom 1.9.2017.
dehnmedia-Meldung: Media Broadcast bekommt die Bremen-Plattform vom 1.9.2017.
dehnmedia-Meldung: RBB startet Netzausbau in Brandenburg vom 1.9.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale startet in Rheinland-Pfalz (2) vom 8.8.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale startet in Rheinland-Pfalz (1) vom 3.8.2017.
dehnmedia-Meldung: Small Scale-Konzept für Bremen-Plattform? vom 12.7.2017.
dehnmedia-Meldung: Andrang auf zweiten Hauptstadt-Multiplex vom 29.6.2017.
dehnmedia-Meldung: SLM erteilt Zulassungen für Small Scale Projekte vom 23.6.2017.
dehnmedia-Meldung: SLM bestätigt Andrang auf Small Scale Projekte vom 23.5.2017.
dehnmedia-Meldung: SLM veröffentlicht Lokalradio-Ausschreibung vom 13.4.2017.
dehnmedia-Meldung: SAW mit drei Regionalisierungen vom 15.11.2016.
dehnmedia-Meldung: Fliegts oder fliegts nicht vom 27.10.2016.
dehnmedia-Meldung: Erste Infos zur DAB+-Roadmap vom 27.10.2016.
dehnmedia-Meldung: Privatmux fürs Dreiländereck im Südwesten? vom 30.9.2016.
teltarif.de: Fraunhofer/DRM+ vom 13.9.2016.
dehnmedia-Meldung: Schweizer Modell „ideal“ für Sachsen vom 5.9.2016.
dehnmedia-Meldung: Keine Regional- und Lokalmuxe für Ba-Wü vom 16.6.2016.
dehnmedia-Meldung: ARD setzt auf raschen Ausbau von DAB+ (20. KEF-Bericht) vom 20.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Echo zum 20. KEF-Bericht (1) (D-Radio, VPRT) vom 14.4.2016.
dehnmedia-Meldung: KEF kürzt Budget und fordert Bekenntnis (20. KEF-Bericht) vom 13.4.2016.
dehnmedia-Meldung: Lokaler Testmux für Private in Leipzig geplant vom 8.3.2016.
dehnmedia-Meldung: Privatradio für Sachsen als Test vom 26.12.2015.
dehnmedia-Meldung: Projekt soll lokale Fenster testen vom 23.10.2015.
dehnmedia-Meldung: Lowpower/Lowtower-Test in Stuttgart vom 28.9.2015 und Abschlußbericht der LfK.
dehnmedia-Meldung: DRM+ prinzipiell über UKW möglich vom 16.12.2009.

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