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Lo(kal)power-Fünfeck für den Privatfunk (2/2)

Überallfernseh-Logo Die Leipziger Strategie der lokalen Begrenzung von Sendegebieten empfiehlt sich - offenbar schon aus Kostengründen - für lokale Programmanbieter. Darüber hinaus hat der Sendenetzbetreiber Mugler AG seine Technik so konzipiert, dass sie auch für befristete Einsätze geeignet ist.

Lowpower-DVB-T für Veranstaltungs-TV ...

Die Mugler AG vermarktet ihre die Lowpower-Netztechnik auch für den befristeten Einsatz bei Events vermarkten will. So wurde im Mai 2008 das 24-Rennen am Nürburgring mit einer Sendeanlage für ein Fan-TV per DVB-T ausgestattet. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Installation wurde erfüllt: Schon im Juni wurden Sendelizenzen für zehn weitere Termine des „Fan-TV“ in 2008 erteilt. Im Juni 2008 gab es „Fan-TV“ auch beim Norisring DTM-Rennen in Nürnberg. Und im Oktober 2009 wurde erstmals eine Messe mit einem Fernsehsender ausgestattet. Die Mugler AG hält inzwischen transportable Sendeanlagen für Veranstaltungen vor.

... und andere Regionen Deutschlands

Im gesamten Bundesgebiet gibt es zahlreiche lokale Fernsehstationen, die ihre Sendungen (oft kein Vollprogramm) vor allem über das Kabel - zum Teil nur an wenige Tausend Haushalte - verbreiten. Ob DVB-T für sie eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative wäre und ob (und unter welchen Umständen) das finanzierbar ist, ist sicher eine Einzelfallentscheidung. Grundlage dafür könnten die Ergebnisse und betriebswirtschaftlichen Rechnungen in Mitteldeutschland sein. Und auch der lokale Werbemarkt spielt natürlich eine Rolle.

In einigen DVB-T Regionen werden private lokale TV-Programme bereits über die „normalen“ leistungsstarken Sendeanlagen flächendeckend ausgestrahlt. Sie sendeten in der Regel bereits analogterrestrisch, daher hatten die Veranstalter Anspruch auf einen DVB-T-Programmplatz.

Das scheint, zumindest für lokale 24-Stundenprogramme, selbst in Ballungsräumen nicht ohne Weiteres auszureichen, um die Existenz der Veranstalter zu sichern. Trotz des dort attraktiven Programmangebots und hohem Marktanteil von DVB-T. Dennoch sichert dieses Umfeld nicht die Existenz vieler lokaler Sender. So verweist LeipzigTV auf den - auch für den kostengünstigen Leipziger Lokalkanal - zu geringen Werbemarkt. CenterTV stellte seinen Anfang 2012 gestarteten Bremer Sender Ende Juni 2013 wieder ein. Zuvor gingen 2009 das lokale FAB in Berlin und SaarTV im Saarland pleite. In Rheinland-Pfalz wurde der Netzbetrieb mit Blick auf TV Mittelrhein 2011 ausgeschrieben - ohne Ergebnis.

Hingegen sind TV.Berlin (nach mehreren Pleiten von Vorgängerfirmen seit der Gründung des Vorläufers IA TV 1993) in Berlin/Potsdam, Hamburg1, München.TV und FrankenTV in Nürnberg sowie TV Halle weiter aktiv. In der sachsen-anhaltinischen Region Dessau/Bitterfeld wechselten die Programme RAN1 und RBW im Juni 2013 spät, aber dennoch überraschend, auf DVB-T.

Lokal-Funk á la Leipzig für andere Regionen Sachsens?

Das sächsische Landesmediengesetz gab ursprünglich den Digitalumstieg bis Ende 2009 vor - ein Termin, der verpasst und auf den 31. Dezember 2012 verschoben wurde. Zahlreiche Lokalstationen senden daher in begrenzten Gebieten analog - per Kabel oder per Antenne. Auch für sie ist das Leipziger Vorbild - begrenztes Verbreitungsgebiet, günstige Kosten - attraktiv.

Das betrifft z.B. die Anbieter in den fünf Regionen Dresden, Chemnitz, Plauen/Auerbach, Zwickau und Görlitz. Für diese Anbieter brachte die Landesmedienanstalt SLM Ende 2008 eine Bedarfsanmeldung auf den Weg und legte ein Förderprogramm für den Digitalumstieg auf. Anfang August 2009 folgte eine Ausschreibung, die ausdrücklich auf das Leipziger Projekt verwies. Dafür fanden sich immerhin insgesamt zwölf Bewerber. Das Interesse für Dresden lag beim Doppelten der vorhandenen Sendekapazität. Nach einer Anhörung Ende Oktober 2009 wurden die Lizenzen vergeben.

Für Mittweida und Bautzen wurde im Mai 2010 ausgeschrieben, die Lizenzen wurden erst im April bzw. Mai 2011 vergeben. Bei der Gelegenheit rüffelte die SLM: Die Bundesnetzagentur verzögere „die Aufnahme des DVB-T-Sendebetriebs in den sächsischen Versorgungsgebieten Chemnitz, Dresden, Auerbach, Plauen, Görlitz, Mittweida und dem Landkreis Bautzen. Die Behörde sah sich bislang nicht in der Lage, Frequenzen an einen der Bewerber um den Netzbetrieb zu vergeben. Dies führt dazu, dass es in Sachsen noch immer analoge terrestrische Fernsehangebote gibt, während Experten bereits über Chancen der DVB-T2-Einführung diskutieren.“

Erst im Juni 2011 konnte die SLM die Lizensierung der Mugler AG als Sendenetzbetreiber für Dresden, Chemnitz, Zwickau und Görlitz mitteilen. Für Plauen/Auerbach, Bautzen und Mittweida liegt aber noch keine Entscheidung vor.

Update Sommer 2012: Es wird immer noch nicht gesendet

Günstige Kosten im begrenzten Verbreitungsgebiet - so einfach scheint das aber auch mit einem alternativen Sendenetzbetreiber nicht realisierbar. Nach den in 2009 bis 2011 vollzogenen Zulassungen für Lokal-TV in Sachsen und der 2011 erfolgten Lizenzierung der Mugler AG als Betreiber mehrerer Netze war im Frühjahr 2012 noch kein Sendebeginn in Sicht. Der Lobbyverband VSL kritisiert die Kostenforderungen der Mugler AG. Diese würden die Sendekosten verdoppeln, was für viele Veranstalter nicht refinanzierbar sei. Sollte es keine Lösung geben, könnten die betroffenen Programme ab 2013 nur in digitalen Kabelnetzen senden, wodurch sie erheblich an Zuschauerpotenzial verlieren, klagte der VSL. Kritisiert wird auch der Bund: Das Telekommunikationsgesetz und die Betreiberlizenzierung durch die BNetzA verhinderten, dass Lokalveranstalter (möglicherweise sehr kostengünstig) ihre Netze in Eigenregie betreiben.

Die SLM bemühte sich kurzfristig um einen Ausweg aus der Misere: Ende Juni 2012 wurde ein Programm bekannt gegeben, wodurch die Verbreitungskosten der Lizenträger Vogtland Regional Fernsehen (Plauen) TeleVision Zwickau, Chemnitz Fernsehen sowie euro-Regional TV (Görlitz) in den ersten vier Jahren voll gefördert werden. Danach erwartet die SLM ein signifikantes Absinken der von ihr finanzierten Verbreitungskosten. Nun müssen die Sender und der Netzbetreiber Mugler AG das Signal aufgreifen und Verträge abschließen, um ein Aus des terrestrischen Lokalfernsehens zum Jahresende 2012 (und möglicherweise das Ende einige Veranstalter) zu vermeiden.

Damit schien der Weg bereitet, jedoch eröffnete die Mugler AG überraschend eine neue Streitrunde: Der Netzbetreiber teilte den Programmanbietern mit, dass „bisher keine ausreichende vertragliche Auslastung der Netzkapazitäten in jedem der geplanten Netze“ vorliege. Nur vier der 22 lizenzierten Programmanbieter seien bereit (zu den alten Konditionen) an den Start zu gehen. Die geforderte Anpassung der Verträge an die Förderbedingungen könnte erst vorgenommen werden, wenn das Förderkonzept den Segen der EU findet.

Bis zu einer Entscheidung bei der EU still zu halten, kommt für den VSL wohl nicht in Frage. Der Verband fordert daher von der Landespolitik eine existenzsichernde Gesetzesänderung, um die auf den 31. Dezember 2012 terminierte Abschaltung der analogen Antennen- und Kabelverbreitung der Lokalsender zu verschieben. Von der Bundesnetzagentur wird erwartet, sich für eine Rückgabe der Netzlizenz seitens der Mugler AG zu verwenden, bzw. wegen des Scheiterns der Vertragsverhandlungen dem Unternehmen die Netzlizenz zu entziehen.

Update Oktober 2013: Nur wenig Sende-Land in Sicht

Was lange währt, wird endlich? Und wenn ja - wie? Anfang 2013 hatte die Landesmedienanstalt SLM in ihrer Hauszeitschrift den Start dreier Lokalprogramme via DVB-T angekündigt. Tatsächlich starteten Euro Regional TV (Görlitz, ab September 2013), Television Zwickau (Testbetrieb ab September 2013) und VRF (Plauen/Auerbach ab 1.11.2013).

Freilich: Wo etwas Licht ist, bleibt der Schatten nicht aus: Radio Horeb gab laut SLM im Zusammenhang mit seiner bundesweiten DAB+-Ausstrahlung Ende 2011 alle sächsischen DVB-T Lizenzen zurück. BibelTV will nur in den Ballungsräumen Sachsens aktiv sein, gab die Görlitz-Lizenz zurück und kündigte den Ausstieg für das Vogtland und Zwickau an. Sachsen Fernsehen hat „aufgrund der zu erwartenden Verbreitungskosten die Umsetzung ihrer geplanten zusätzlichen Programmvorhaben Kanal 8-Sachsen und Kanal 8-Immobilien in Frage gestellt“, teilt die SLM auf Anfrage im Oktober 2013 mit.

Dazu, wann Lokalprogramme via DVB-T in Dresden, Chemnitz, Bautzen und Mittweida starten, will sich die SLM im Oktober 2013 nicht äußern. Es bedürfe dazu Verträgen der Sender mit dem Netzbetreiber Mugler AG. Offensichtlich gestalten sich einige Verhandlungsfragen - sicherlich die Kosten und die (Nicht-) Förderung in zwei Regionen - so, dass ein Start in den Sternen steht.

Gerade noch herumgekommen ist das Lokalfernsehen in Sachsen via DVB-T um einen Rückschritt: Leipzig Fernsehen hatte zum 30. September 2013 die Einstellung angekündigt; das konnte durch den Einstieg der Haeswe GmbH, die den Lokalsender Dresden Fernsehen betreibt, gerade noch verhindert werden.

Unter dem Strich ist festzustellen, dass Ende 2013 von den hochfliegenden Lokalfernseh-Plänen für Sachsen kaum mehr als Fragmentarisches geblieben ist.

Update Sommer 2017: Sechs Multiplexe senden

Das besserte bis zum Frühjahr 2017, dem Umstiegsbeginn auf DVB-T2 HD. Zu diesem Zeitpunkt sind Lokalprogramme neben Leipzig in Dresden, Görlitz, Chemnitz, Plauen/Auerbach und Zwickau auf Sendung.

Für Bautzen wird der Start im November 2017 angekündigt. Dem ging ein etwa sechs Jahre dauerndes Tauziehen voran: Oben angesprochen wurde die Weigerung der BNetzA dem Bewerber SGS den Betrieb des Sendenetzes zu genehmigen. Die geschah nach langen Debatten. Zu dem Zeitpunkt war absehbar, dass der zugeteilte Kanal 56 wegen der Digitalen Dividende 2 und den Vorbereitungen für DVB-T2 HD keinen langen Bestand haben würde. Daher wurde eine neue Zulassungsrunde für eine dauerhafte Frequenz verabredet. Diese Zulassung erfolgte schließlich so spät, dass die Programmlizenz für die Lausitzwelle vorzeitig verlängert werden musste, damit ein Sendebeginn Sinn macht. Lausitzwelle will ab November 2017 senden.

Lokales in Halle

Ebenfalls mit ausdrücklichem Bezug auf Leipzig begann am 21. Oktober 2009 ein einjähriges Projekt in Halle und Umgebung. Dort wird - mit finanzieller Unterstützung der Landesmedienanstalt MSA - das Programm TV.Halle im Stadtgebiet und der Umgebung über einen eigens errichteten 5 kW-Sender im Stadtzentrum ausgestrahlt. Es handelt sich um einen auf ein Jahr angesetzten Versuch, bei dem die DVB-T Verbreitung fast schon ein „Abfallprodukt“ ist. Die Idee besteht darin, dass die Zulieferung an Kabelnetze über DVB-T wesentlich kostengünstiger ist, als wie üblich über Glasfaser-Standleitungen. Dafür werden bis Oktober 2010 Sendeparameter, auch mit Blick auf die Lebensdauer der Sender und ihre Kosten, getestet.

Weitere Informationen:
DVB-T: Lokal-Programme, Frequenzen, Standorte in Sachsen.
DVB-T: Lokal-Programme, Frequenzen, Standorte in Sachsen-Anhalt.
VRF startet in Auerbach.
SLM-Ausschreibung für Görlitz veröffentlicht.
SLM kündigt Ausschreibung für Görlitz an.
Sendeparameter der neuen Lokalstandorte.
LokalTV-Ziele in Sachsen nicht erreicht.
Leipzig Fernsehen sendet weiter.
Leipzig Fernsehen gibt auf.
BLTV-Verband zum Sendestopp von Leipzig Fernsehen.
Startankündigung für drei Lokalprogramme (März 2013).
Meldungen zu Statement der Mugler AG und Reaktion des VSL (Juli 2012).
SLM-Förderprogramm 2012.
Lizenzen für Mittweida und Bautzen.
Ausschreibung für Bautzen und Mittweida.
Lizensierung für fünf Regionen.
Bewerbungen für fünf Regionen und zur Anhörung.
Ausschreibung für fünf Regionen.
Bedarfsanmeldung für Sachsen.
Veranstaltungs-TV am Nürburgring (24.6.08) und Norisring (19.6.08).
Fan-TV via DVB-T am Nürburgring vom 16.5.2008.
Lizensierung (6.3.2009) und Sendebeginn (21.10.2009) von TV Halle.

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