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Aus der Geschichte des Rundfunks (1920 - 1929)

Abreisskalender
FŁr den Zeitraum von 1920 bis 1929 wurden 32 von insgesamt 721 Ereignissen aus der Geschichte von fernsehen und Radio und zu verwandten Themen ausgewšhlt. Die letzte ńnderung erfolgte am 27.10.2021.


Quellen sind Materialien des Deutschen Rundfunk-Museums Berlin (u. a. die 1985 erschienene BroschŁre „Fernsehen - Von der Vision zum Programm“), Infos der Gesellschaft fŁr Unterhaltungselektronik (gfu), die Chroniken der ARD-Anstalten und des ZDF, Wikipedia&Co sowie Unterlagen aus eigenem Archiv. Aktualitšten werden unregelmšŖig eingearbeitet. Die ‹bersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollstšndigkeit.

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2.11.1920Das Privatradio KDKA in Pittsburgh sendet das erste reguläre Radioprogramm der USA, das u.a. die Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentschaftswahlen vom gleichen Tage verbreitete.
Mehr: dehnmedia-Meldung zum 100. Jubiläum.
22.12.1920Vom Funkerberg bei Berlin wird ein Radiokonzert Live √ľbertragen: Auf die Ansage „Hallo, hallo! Hier ist K√∂nigs Wusterhausen auf Welle 2700“ folgte die Darbietung eines Postler-Chors, begleitet vom Vorsteher mit der Geige und dem Technikchef mit einer Klarinette. H√∂rerpost ging aus Luxemburg, Holland, England und den nordischen Staaten ein. In Deutschland war Rundfunkh√∂ren damals noch strafbewehrt verboten.
Die Reichspost hatte nach dem Ende des 1. Weltkrieges und des Kaiserreiches die Sendeanlage vom Milit√§r √ľbernommen.
Mehr: Website des Fördervereins Sender Königs Wusterhausen.
1922August Karolus (1893-1972) macht den „Kerr-Effekt“ (John Kerr, englischer Physiker, 1824 - 1907) und Kerrs Lichtventil anwendbar und regte damit die Weiterentwicklung des Fernsehens in Deutschland an.
1922In Los Angeles wird der sp√§ter verschollene Stummfilm „The Power of Love“ als Raumprojektion gezeigt. Es handelt sich um die erste 3D-Auff√ľhrung in Anaglyphen-Technik.
17.9.1922In Berlin wird das erste Filmexperiment mit Ton "Der Brandstifter" aufgef√ľhrt. Das von Hans Vogt, Joseph Massolle und Jo Engl erfundene Lichttonverfahren (unter der Bezeichnung "TriErgon" patentiert) ist - neben dem hinzugekommenen Magnet- und dem Digitalton - noch heute f√ľr die analoge Kinoprojektion gebr√§uchlich.
1923Arthur Korn demonstriert in Wien die erste gelungene bildtelegraphische √úbertragung einer kinematographischen Aufnahme.
1923Vladimir Kosma Zworykin (1889-1982) erfindet das „Ikonoskop“. F√ľr diesen ersten elektronischen Bildabtaster gilt Zworykin als Vater des elektronischen Fernsehens.
29.10.1923Es wird „erstmalig Mitteilung gemacht, dass der Unterhaltungs-Rundfunk mit Verbreitung von Musikvorf√ľhrungen auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt“ - Radiosendungen werden aus dem Berliner Vox-Haus im Regelbetrieb verbreitet.
Hans Bredow, nunmehr f√ľr den Rundfunk zust√§ndiger Staatssekret√§r, fordert im Zusammenhang mit der Einf√ľhrung des Radios dazu auf, „neben dem Klang nun auch das Bild durch Rundfunk zu √ľbertragen“.
Radiomachen kostet Geld und muss finanziert werden: Eine H√∂rfunkgeb√ľhr von 2 Reichsmark monatlich wird eingef√ľhrt.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Rundfunkgeb√ľhr,
1.1.1924Es gibt offiziell 467 Rundfunkhörer. Schwarzhörern werden Geldstrafen und bis zu 6 Monate Haft angedroht.
Um die H√∂rerzahl einzud√§mmen wird die Rundfunkgeb√ľhr auf j√§hrlich 60 RM erh√∂ht.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Rundfunkgeb√ľhr,
4.12.1924Messekatalog 1924 - Foto: gfu/Messe Berlin Die „Gro√üe Deutsche Funkausstellung“ zieht 242 Aussteller und 180.000 Besucher an. Im Haus der Funkindustrie am Kaiserdamm in Berlin-Charlottenburg werden haupts√§chlich R√∂hren- und Detektor-Radios sowie Kopfh√∂rer beworben.
31.12.1924Nach der zwischenzeitlichen Senkung der Rundfunkgeb√ľhr auf 2 RM und einer Amnestie f√ľr Schwarzh√∂rer sind nun 548.749 Rundfunkteilnehmer offiziell gemeldet. Eine gro√üe Zahl Menschen h√∂rt weiter schwarz, wie dem Verkauf von Radiobauteilen und Bastels√§tzen zu entnehmen ist.
Mehr: Wikipedia-Eintrag Rundfunkgeb√ľhr,
31.12.1924Das Stuttgarter Radioprogramm S√ľrag strahlt seit dem 11. Mai ab 17 Uhr Sendungen √ľber Mittelwelle aus. Am Jahresende gibt es 18.868 H√∂rer. Die S√ľrag erh√§lt 60 Prozent der im Sendegebiet einkommenden H√∂rfunkgeb√ľhr.
1.11.1925Bernhard Ernst - Foto: WDR Die erste Livereportage eines Fu√üballspiels w√§re fast nicht zustande gekommen, weil das Kabel zum Funkhaus gekappt wurde. Reporter Bernhard Ernst (Foto, klickbar: Ernst kommentiert ein L√§nderspiel. Quelle: WDR) griff zum Telefon, um das Spiel des SC Preu√üen M√ľnster gegen Arminia Bielefeld (0:5) zu kommentieren. Gesendet wurde auf der Mittelwelle M√ľnster 410. Damals gab es in ganz Deutschland kaum 10.000 Besitzer von Radios. Aber bereits 1925 sollen 400.000 H√∂rer die Live-Reportage vom Spiel um die deutsche Meisterschaft verfolgt haben.
Ernst kommentierte 1954 das WM-Finale Deutschland vs. Ungarn f√ľr das Fernsehen. Der TV-Ton ist jedoch nicht erhalten, so dass die Archivbilder sp√§ter mit der Radioreportage von Herbert Zimmermann („Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“) gekoppelt wurden.
Mehr: Hintergrund: Presseinfo des WDR vom 30.10.2015.
1926Die deutsche Kriminalpolizei √ľbertr√§gt auf Basis des Lorenz-Korn-Systems Fingerabdr√ľcke von Kriminellen drahtlos.
1926Das Telegraphentechnische Reichsamt f√ľhrt erste Fernsehversuche in Deutschland durch.
1926Die Deutsche Welle wird als staatlicher Sender gegr√ľndet, ebenso die Reichs-Rundfunkgesellschaft RRG als √∂ffentlich-rechtliche Dachorganisation der regionalen Radiosender.
1926Reichsbahn und Reichspost f√ľhren einen √∂ffentlichen Zugtelefondienst zwischen Hamburg und Berlin ein - die Geburtsstunde des Mobilfunks. Per Funk wird aber nur √ľber wenige Meter vom Zug zu einem neben dem Gleis laufenden Kabel √ľbertragen.
3.9.1926Der 150 Meter hohe Berliner Funkturm auf dem heutigen Messegel√§nde wird offiziell seiner Bestimmung √ľbergeben. Ein Mittelwellensender ist bereits seit September 1925 aktiv.
12.1926Erstmals √ľbertragen Radioprogramme live von der 3. Funkausstellung.
1927Herbert Eugene Ives (1882-1953) f√ľhrt die erste √∂ffentliche Fernseh√ľbertragung in den USA durch. Er √ľbertr√§gt 30zeilige Bilder per Telefonleitung auch √ľber 640 Kilometer von Glasgow nach London.
1927Der Schotte John Logie Baird (1888-1946) erfindet die „Phonovision“ - das erste Videoverfahren zeichnet 30zeilige TV-Bilder auf Schellackplatten bei 78 Umdrehungen pro Minute auf.
1927Die US-Firma Storage Battery Co. bietet das erste industriell hergestellte Autoradio „Philco Transitone“ an.
6.10.1927In den USA hat „The Jazz Singer“ Premiere - in dem weltersten Kinofilm mit Ton spricht Al Jolson den Satz „You ain't heard nothin‚Äô yet!“.
1928In den USA l√§uft das erste TV-Programm nach Zeitplan mit Nachrichten und dem ersten Fernsehspiel. Die Vorstellung eines Pr√§sidentschaftskandidaten ist Anla√ü f√ľr Experimente mit Live-Sendungen.
8.2.1928J.L. Baird sendet interkontinental. Er verbindet London nach New York per Funk.
28.3.1928Der Physiker und R√∂ntgenpionier Julius Edgar Lilienfeld (1882-1963) meldet ein Patent f√ľr ein Bauelement an, das heute als Feldeffekttransistor bezeichnet wird. Jedoch war die industrielle Fertigung noch nicht m√∂glich. Lilienfeld, der 1927 in die USA auswanderte, hatte seine vorherigen Patente (u.a. f√ľr den Elektrolytkondensator) immer zugleich dort angemeldet, so dass er dort eine Existenzgrundlage hatte.
31.8.1928Die Besucher der 5. „Gro√üen Deutschen Funkausstellung“ k√∂nnen in Berlin erstmals fernsehen. Der Empf√§nger von Telefunken, eine Entwicklung von Karolus, hat ein etwa acht mal zehn Zentimeter kleines Bild mit 96 Zeilen, dass einer Aufl√∂sung von rund 10.000 Pixeln entspricht. Die Reichspost zeigt Dias und kurze Filmausschnitte auf einem „Telehor“-Empf√§nger von Mih√°lys und startet damit das „neue und k√ľnftige Telekommunikations-System“ Fernsehen.
12.1928Von Mih√°ly stellt einen „Telehor-Volksempf√§nger“ vor. Ein Preis von 100 Reichsmark ist angedacht, jedoch ist die Bildqualit√§t auf dem 4 mal 4 Zentimeter kleinen Schirm nicht gut und Ton gibt es nicht.
1929Die Reichspost erhebt 30 Zeilen mit 1.200 Bildpunkten bei 12,5 Bildwechseln pro Sekunde zur ersten deutschen Fernsehnorm.
1929Das UFA-Filmstudio in Babelsberg errichtet ein erstes Produktionsgeb√§ude f√ľr Tonfilme - das „Tonkreuz“ mit vier Ateliers.
8.3.1929Die Reichspost f√ľhrt die erste drahtlose Fernseh-Rundfunksendung im Berliner Vox-Haus auf Welle 468 Meter durch. Regelm√§ssige Probebetriebe beginnen.
30.9.1929„Das Land ohne Frauen“ gilt als „der erste abendf√ľllende deutsche Tonfilm“. Dem gingen im gleichen Jahr „Ein Tag Film“ (Premiere: 16.1.) mit einer Gesangseinlage des Tenors Richard Tauber und „Melodie der Welt“ (40 Minuten) voraus.






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